18.01.2011 - Programmwerkstatt: SPD diskutiert Wohnen in der Region Hannover

„Wohnen in der Region Hannover: Welche Angebote brauchen wir?“ – unter diesem Motto hatte die SPD in der Region Hannover zum Gespräch nach Barsinghausen eingeladen. Die Organisatoren Marco Brunotte, Sprecher der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag für Wohnungs- und Baupolitik, und Bodo Messerschmidt, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Region Hannover, konnten ein Fachpublikum aus Vertretern der Wohnwirtschaft, Mieterorganisationen und Wohlfahrtsverbänden begrüßen.

In zehn öffentlichen Programmwerkstätten diskutieren die Sozialdemokraten derzeit mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Verbänden und Organisationen in einzelnen politischen Handlungsfeldern. Die Ergebnisse sollen im Wahlprogramm der SPD für die Region Hannover münden. „Ein beteiligungsorientierter, offener Prozess“, sagt Marco Brunotte, „schließlich lebt Politik vom Dialog.“

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Hans-Herbert Kruse, Geschäftsführer der Kreissiedlungsgesellschaft (KSG), die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt in der Region Hannover vor. „Es gibt nicht einen homogenen Markt innerhalb der Region Hannover“, betonte Kruse, „sondern mehrere Teilmärkte, die sich deutlich voneinander unterscheiden und sehr unterschiedlich entwickeln.“ Wachsende und schrumpfende Bereiche stünden sich gegenüber und ließen sich oft nach zentralen und ländlichen Lagen unterscheiden. Obwohl die Bevölkerungsanzahl in der Region Hannover bis zum Jahr 2025 nach Prognosen um fünf Prozent schrumpfen würde, würde die Anzahl der Haushalte nach kurzfristigen Steigerungen annähernd gleich bleiben.

Die KSG hat regionsweit mehr als 7.500 Wohnungen im Angebot. Sämtliche Wohnungen sind bereits mit Rauchmeldern ausgestattet. In den letzten drei Jahren wurden 500 zusätzliche barrierefreie Wohnungen durch Umbau geschaffen. „Ein besonderes Anliegen ist uns die energetische Sanierung. In den Jahren 1990 bis 2010 konnten wir den CO2-Ausstoß unserer Wohnungen um 24 Prozent senken“, berichtete Kruse. Im laufenden Jahr gibt die KSG 15 Millionen Euro für Instandhaltung und Modernisierung aus, davon sind allein 40 Prozent für Energieeinsparungen vorgesehen.

In einer lebendigen Diskussion wurde der Vortrag von Hans-Herbert Kruse ausgewertet und angereichert. Der Präsident des Verbandes der WohnungsWohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen Bernd Meyer stellte heraus: „Wir brauchen integrierte Konzepte zur vernetzten Stadtentwicklung. Dabei sind ein stabiles Wohnumfeld und eine gute Infrastruktur entscheidende Faktoren.“ In diesem Zusammenhang kritisierte er die Kürzungen von Bund und Land in der Städtebauförderung. Besonders das Programm „Soziale Stadt“ habe in den letzen Jahren wichtige Akzente setzen können. Hier wurden die Mittel jedoch um 70 Prozent gekürzt.

„Höherer Mieten sind aktuell in vielen Segmenten auf dem Markt kaum durchzusetzen“, berichtete Randolph Fries, Geschäftsführer der Deutschen Mieterbundes Hannover. Dies habe sich aktuell bei der Erstellung des Mietspiegels für die Region Hannover gezeigt. Trotzdem mache sich der Mieterbund Sorgen über aufkommende Wohnarmut. Bezahlbarer Wohnraum sei deshalb eine Herausforderung für die Zukunft. Menschen mit geringerem Einkommen dürften nicht verdrängt werden.

Die Frage „Wie kann ich in meinem Wohnumfeld alt werden?“ bewegte viele Teilnehmer der Programmwerkstatt. Dazu sind barrierefreie Umbauten, Serviceangebote und auch eine gute Nachbarschaft erforderlich. „Wir erleben hier eine steigende Nachfrage“, sagte Michaela Bräuer-Pape von der AWO Region Hannover, „und den Wunsch, in der eigenen Wohnung so lang es geht zu bleiben.“ Besonders in ländlichen Bereichen würde dies jedoch zunehmend schwieriger, da sich soziale Infrastruktur aus der Fläche zurückzieht. Ohne Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Anbindung an den ÖPNV steige der Druck, in die Städte zu ziehen.

„Wir wollen lebendige Städte und Dörfer in der Region Hannover“, waren sich Bodo Messerschmidt und Marco Brunotte einig, „hierfür muss Politik durch gezielte Regionalplanung sorgen und sich um angemessenen Wohnraum für die Menschen kümmern.“ Es sei entscheidend, dass der Wohnungsmarkt für alles Bedürfnisse Angebote machen könne. Ob Familien, Senioren ohne große Rente, Besserverdiener – für alle müsse bezahlbarer und attraktiver Wohnraum zur Verfügung stehen. „Die KSG gehört der Region Hannover und den Städten in der Region, deshalb haben wir politische Steuerungsmöglichkeiten“, sagt Bodo Messerschmidt. Das solle auch in Zukunft so bleiben, schließlich sei Wohnen ein Stück Daseinsvorsorge.

„Bund und Land machen sich durch den Kahlschlag in der Städtebauförderung einen schlanken Fuß“, sagt Marco Brunotte, „und das auf Kosten der Städte und Gemeinden, die mit den Problemen vor Ort zu kämpfen haben.“ Die Herausforderungen an die Wohnungswirtschaft seien enorm: Energetischen Sanierungen, Modernisierungen, Barrierefreiheit, Wohnumfeldverbesserungen. Und trotzdem müsse bezahlbarer Wohnraum für die Menschen vorhanden sein. „Wohnen ist ein wichtiges politisches Handlungsfeld“, waren sich Marco Brunotte und Bodo Messerschmidt nach der Programmwerkstatt einig, „und deshalb werden wir die Herausforderungen der Zukunft aktiv annehmen.“