Medizinstrategie 2020 sichert Fortbestand des Klinikums in öffentlicher Hand

 

„Mit der Verabschiedung der Medizinstrategie 2020 in der heutigen Sitzung der Regionsversammlung ist die wesentliche Grundvoraussetzung dafür geschaffen
worden, auch künftig eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe Gesundheitsversorgung in öffentlicher Hand anbieten zu können“, stellt Silke Gardlo, die SPD-Fraktionsvorsitzende, fest.

„Wir haben uns diesen Entschluss wahrlich nicht einfach gemacht, doch die Dinge einfach schleifen zu lassen, uns einen schlanken Fuß zu machen oder einfach ein WEITER SO zu propagieren, ist komplett verantwortungslos, nutzt niemandem und raubt uns jegliche Möglichkeiten, das Klinikum zukunftsfähig aufzustellen“.

Auch Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten könnten sich der Erkenntnis, dass bundesweit für Kliniken die Notwendigkeit zur Spezialisierung bestehe, nicht einfach entziehen, ökonomische Gesetze machten nicht vor der Region Hannover halt.

„Dass insbesondere in dem Bereich -wie Springe- in dem in besonderem Ausmaß notwendige Veränderungen erforderlich sind, zunächst keine Begeisterung herrscht, kann ich bestens nachvollziehen“, erklärt Gardlo.

Rein populistisch wäre es jedoch gewesen, entgegen allen Erkenntnissen und Fakten an Versorgungsstrukturen festzuhalten, die schon in nächster Zukunft nicht zu halten seien.

„Den Bürgerinnen und Bürgern keinen reinen Wein einzuschenken, sondern nach dem Munde zu reden, das ist das eigentliche Verwerfliche“, so Gardlo weiter. Zusammen mit dem Koalitionspartner, den Grünen, habe die SPD-Regionsfraktion weitere Präzisierungen der Medizinstrategie zu den Standorten Lehrte, Großburgwedel und Springe vorgenommen (vgl. dazu Anhang).

„Für uns war es wichtig, den erforderlichen Umstrukturierungsprozess vor Ort transparent zu gestalten und -das gilt für Springe- ein dauerhaftes und zukunftsfähiges Konzept für eine 24 Std.-Notfallversorgung zu gewährleisten“.

Abschließend weist Silke Gardlo darauf hin, dass nunmehr die Geschäftsführung des Klinikums am Zuge sei.
„Wir werden sehr genau verfolgen, ob und wie die von uns eingeforderten Änderungen der Medizinstrategie umgesetzt werden“.


In der Regionsversammlung am 16. Dezember 2014 beschlossener Änderungsantrag der Fraktionen von SPD und Grünen zur Beschlussdrucksache 2048 (III), Medizinkonzept

Präambel


Die Regionsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen begrüßen die Erstellung der Medizinstrategie 2020 durch die Geschäftsführung der Klinikum Region Hannover GmbH. Sie unterstützen den Grundgedanken der Medizinstrategie, die Struktur des Versorgungsangebotes in der gesamten Region so zu ordnen, dass das Klinikum bei hohem Versorgungsstandard und Ausbau der Qualität, auch im Umland der Region Hannover, dauerhaft in öffentlicher Trägerschaft verbleiben kann. Vor dem Hintergrund der sich ändernden ärztlichen Versorgung auf dem Land durch fehlenden Nachwuchs für Hausarztpraxen fordern die Fraktionen auf der Grundlage des Versorgungsauftrages als kommunaler Träger zusätzliche Maßnahmen, die im Folgenden beschrieben werden. Im Sinne der Weiterentwicklung des Konzepts muss der begonnene Dialog mit den Menschen in der Region Hannover fortgeführt werden.

1. Gemeinsames Versorgungskonzept der Standorte Großburgwedel und Lehrte
Im Rahmen des Konzeptentwurfs für einen förderfähigen Neubau im Osten von Hannover wird ebenfalls geprüft, inwieweit die Häuser Großburgwedel und Lehrte an ihrem jeweiligen Standort für den Fall der Nichtumsetzung der Neubauvariante so weiterentwickelt werden können, dass sie unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, Förderfähigkeit und Versorgungsqualität zukunftsfähig sind. Die Kosten für beide Varianten sind zeitgleich zu ermitteln und gegenüber zu stellen.

2. Weiterentwicklung des Standortes Springe
Vor einer Zusammenführung der stationären Versorgungsangebote in der Grund- und Regelversorgung von Springe und Gehrden am Standort Gehrden wird ein dauerhaftes und zukunftsfähiges Konzept für eine 24 Std.-Notfallversorgung in Springe erarbeitet und umgesetzt.
Außerdem ist zu prüfen:

  • die Nutzung als Spezialklinik z. B für langzeitbeatmete Patientinnen oder für geriatrische Rehabilitation,
  • weitere Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes, gegebenenfalls in Kooperation mit anderen Trägern oder niedergelassenen Ärzten (z. B. Belegbetten).
  • inwieweit die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs zwischen Springe und Gehrden der neuen Angebotsstruktur des Klinikums angepasst werden müssen.

Der Standortzusammenführung wird ein lokaler Dialogprozess vorangeschaltet. Erst nach Abschluss dieses Dialogprozesses erfolgt die Verlagerung des stationären Angebotes des Standortes Springe. Mit dem lokalen Dialogprozess wird das Ziel verfolgt, einen möglichst breit getragenen Konsens über die zukünftige Nutzung des Standortes Springe herzustellen. Es empfiehlt sich darüber hinaus, eine lokal und fachlich anerkannte Persönlichkeit zu benennen, die als Ombudsperson diesen auf Konsens ausgerichteten Prozess begleitet. Ziel des gesamten Verfahrens muss die Entwicklung einer Konzeption für Springe sein, die einerseits ihren Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Klinikums der Region Hannover leistet und gleichzeitig eine gute Gesundheitsversorgung am Standort Springe auch künftig garantiert.

3. Hebammenschule
Es wird sichergestellt, dass die Hebammenschule unter Beteiligung des KRH weiter geführt wird.
Dabei ist zu prüfen, ob die Ausbildung der Hebammen durch einen akademischen Bildungsabschluss erweitert werden kann. Für Hebammen, die durch Umstrukturierungen betroffen sind, sind individuell neue Beschäftigungsperspektiven zu erarbeiten. Es ist auch zu prüfen, ob Hebammen auf Geburtenstationen oder in den Stationsleitungen der gynäkologischen Abteilungen eingesetzt werden können. Gemeinsam mit dem Land ist für die Region Hannover ein Konzept auch für ambulante Geburten zu entwickeln.

4. Schlussbemerkung
Ein jährlicher Bericht über die Umsetzung der Medizinstrategie wird der Regionsversammlung zur Kenntnis gegeben.