Sachstand zum Deister und den aktuellen Nutzungskonflikten
Der Deister ist zuallererst einmal einer der wertvollsten Naturräume in der Region Hannover. Er steht damit neben dem Steinhuder Meer und dem Erlebniszoo Hannover als besonderer Leuchtturm aller Naherholungsuchenden, nicht nur aus der Region Hannover.
Der Deister ist auch ein sehr wertvoller Naturraum, der nicht ohne Grund in weiten Teilen schon lange unter Naturschutz steht. Der Wald befindet sich zum Teil im Besitz des Landes Niedersachsen (durch die Landesforsten), weitere Teile gehören allerdings auch Privatwaldeigentümern und Forstgenossenschaften.
Der Deister ist verschiedensten Nutzungsinteressen ausgesetzt. Dazu gehören die forstwirtschaftlichen Nutzungsinteressen der Eigentümer, aber auch das Freizeitbedürfnis von Radfahrern, Wanderern, Läufern oder Mountainbikern. Der Deister ist keine explizite Sportstätte.
Die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen führen dabei leider immer wieder zu Konflikten. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden in den besonders geschützten Landschaftsteilen des Deisters immer wieder illegal Mountainbike-Trials angelegt. Das führte dazu, für die bekannten drei Trails im Gebiet der Landesforsten zeitlich begrenzt eine Ausnahme der Festlegungen des Landschaftsschutzes zu gestatten, um weiteren Wildwuchs zu verhindern.
Heute muss allerdings festgestellt werden, dass dies nicht gelungen ist. Die als Pilotprojekt temporär zulässigen Downhilltrails haben starke Auswirkungen auf die Natur und dämmen das illegale Fahren zudem nicht ein. Unter anderem führte 2023 eine Kontrolle der legalen Trails zu dem Ergebnis, dass dort in den vergangenen Jahren mehr als doppelt so viele Hindernisse und Bauwerke entstanden sind wie ursprünglich zugelassen (227 statt 102) und die Strecken teilweise massiv erweitert wurden. Downhillstrecken mit Bauwerken kann es in den Schutzgebieten des Deisters deshalb zukünftig nicht mehr geben.
Zudem sind viele weitere illegale Strecken in sensiblen Bereichen entstanden.
Um langfristige Lösungen für die Situation vor Ort zu entwickeln, hat die Region Hannover den großen Runden Tisch Deister ins Leben gerufen, in dessen Mittelpunkt die Nutzungsansprüche von Sport, Forstwirtschaft, Eigentum, Erholungsuchenden und Naturschutz stehen. Darin ist auch unsere Fraktion regelmäßig vertreten.
In dem Rahmen wurde auch 2024 das Aktionsprogramm Deister 2024/2025 initiiert. In diesem Kontext wurden mehrere offene Arbeitsgruppen gegründet, in denen die lokalen Akteure aus dem Deister gemeinsame Ziele verfolgen. Eine dieser Arbeitsgruppen, u.a. zusammengesetzt aus Waldeigentümern, Naturschützern, Jägern und zeitweise Vertretern des Sports entwickelte in diesem Kontext den Kodex Deister. Dieser soll zukünftig eine gemeinsame Verhaltensgrundlage und ein gemeinsames Werteverständnis im Deister etablieren. Im Kodex werden fünf Grundsätze aufgeführt, die ein rücksichtsvolles Miteinander ermöglichen sollen. Diese Grundsätze wurden in mehreren Sitzungen durch die Arbeitsgruppe formuliert und dem Gremium „Großer Runder Tisch Deister“ im Dezember 2024 erstmals vorgestellt. Anregungen und Änderungsvorschläge der Mitglieder des Gremiums wurden daraufhin durch die Arbeitsgruppe geprüft, diskutiert und wenn möglich eingearbeitet.
Eine Arbeitsgruppe befasste sich dabei mit der Entwicklung naturverträglicher Trails, die derzeit mit den Landesforsten, die dankenswerterweise zugestimmt haben, abgestimmt werden. Bei allen Beteiligten bestand der Wunsch einer einvernehmlichen Lösung, um insbesondere auch eine zeitliche Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für die bisherigen Trails zu finden. Leider hat sich der dafür notwendige Ansprechpartner der „Deisterfreun.de“ aus der Runde verabschiedet, so dass es leider bisher zu keiner einvernehmlichen Regelung gekommen ist.
Die SPD-Regionsfraktion ist weiterhin an einer Lösung interessiert, die alle Interessen berücksichtigen muss. So hat die Regionsversammlung bereits einstimmig beschlossen, den „Kodex Deister“ zu unterzeichnen.
Gemeinsam mit der Regionsverwaltung, den beteiligten Kommunen und allen Teilnehmenden am Runden Tisch Deister bleiben wir im Gespräch und an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Wir wünschen uns auch, dass die Deisterfreun.de ihre Mitarbeit am Runden Tisch wieder aufnehmen. Was aus unserer Sicht jedoch derzeit nicht möglich wäre, ist die bestehenden Konflikte weiter hinzunehmen.
Karsten Vogel
Sprecher der SPD-Regionsfraktion Hannover für Regionalplanung, Naherholung, Metropolregion und Europa